Ein einfühlsamer Modernist / Der Berliner Architekt Heinz Mehlan prägte das Erscheinungsbild der vom Krieg zerstörten Stadt
von Andreas Butter (ND · 4.12.2007)
Der Berliner Architekt Heinz Mehlan wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden
An den Stadtvierteln, die in den Nachkriegsjahrzehnten neu entstanden, scheiden sich die Geister. Den einen erscheinen sie zu weiträumig bebaut, die Häuser nüchtern und lieblos hochgezogen. Vielen jedoch wurden sie eine Heimat, in der es sich komfortabel leben lässt. Besonders Junge, darunter Neuberliner, die froh sind, der Beschaulichkeit Thüringens oder Schwabens entkommen zu sein, schätzen ihre strenge, technisch bestimmte Gestaltung und entdecken in ihnen großzügige Urbanität, speziell in zentrumsnahen Bereichen im Osten.
Zu den Architekten, deren Wirken das Gesicht der Hauptstadt der DDR maßgeblich mitgestaltete, gehörte Heinz Mehlan. Der am 4. Dezember 1926 in Berlin geborene Sohn eines Schuhmachers absolvierte nach einem Maurerpraktikum ein Studium an der Berliner Baugewerkschule, das er 1951 als Hochbauingenieur abschloss. Neben der Arbeit in den städtischen, später volkseigenen Projektierungsbüros setzte er seine Ausbildung mit einem Architekturstudium an der Technischen Universität in Charlottenburg bei Karl Wilhelm Ochs fort. In der schwer zerstörten Stadt gab es vor allem im Wohnungsbau viel zu tun; Mehlan projektierte zudem mehrere Internate, u.a. in Berlin-Johannisthal, und auch technische Bauten.
Mit seinem schrittweisen Aufstieg zum Hauptabteilungsleiter wurden die Entwurfsaufgaben repräsentativer, wobei sich Mehlan schon früh beim Wiederaufbau historischer Bauten profilierte. So betreute er Wiederherstellung und Umgestaltung der Neuen Wache und war Komplexprojektant für die Straße Unter den Linden. 1957 erarbeitete er, u.a. mit Erwin Kussat, eine Bauaufnahme mit Nutzungsvorschlägen für die Häuser des Fischerkiezes, jenes verwinkelten Altstadtquartiers, das dann aber doch abgerissen wurde. Mitte der sechziger Jahre prägte Mehlan das Erscheinungsbild der Breiten Straße neu – mit der Wiederherstellung des Marstalls und dem Umbau des Ribbeckhauses. Der neue Trakt der Stadtbibliothek, sein wohl bekanntestes Werk, fügt sich mit seinem Ziegeldach respektvoll in die Altbebauung ein. Die Leichtigkeit der eleganten Glasfassade hingegen vermag es, zwischen den historischen Nachbarhäusern zu vermitteln und diese in ihrer Eigenart deutlich werden zu lassen.
Ihrer Frische beraubt ist heute die Front am 220 Meter langen Haus der Elektroindustrie, das Mehlan 1967 mit Emil Leibold und Peter Skujin entwarf und das den Alexanderplatz im Norden abschließt. Wie hier zeigte sich sein Sinn für die städtebauliche Großform an der 1968/69 erfolgten Umsetzung von Hermann Henselmanns Wettbewerbsentwurf für den Leninplatz, heute Platz der Vereinten Nationen. Mit ihrem gestuften Hochhausakzent und weiten Schwüngen leitet die Planung von Straßenräumen in den Landschaftsraum des Friedrichshains über. Seine Erfahrungen beim Einsatz von Wohnungs-Typenserien bei anspruchsvollen städtebaulichen Entwürfen brachte Mehlan später bei Projekten wie dem Wohnkomplex Frankfurter Allee Süd und der Weiterentwicklung des Typs WBS 70 für Elfgeschosser ein.
Seit 1977 Stellvertreter des Berliner Chefarchitekten für historische Bauten, machte er sich mit der Neugestaltung des Ratskellers und einer Studie zur Rekonstruktion der Bürgerhäuser im Nikolaiviertel erneut um die Verankerung altberliner Architektur in der Gegenwart verdient. 1984 schied Mehlan nach einer schweren Herzoperation aus seiner beruflichen Tätigkeit aus. Er starb am 12. September 1987. Heinz Mehlan war ein Architekt, der den Maßstab einer modernen Hauptstadt an seine Arbeit anlegte und dabei dem historischen Berlin verbunden blieb.
Ein einfühlsamer Modernist / Der Berliner Architekt Heinz Mehlan prägte das Erscheinungsbild der vom Krieg zerstörten Stadt
von Andreas Butter (ND · 4.12.2007)
Der Berliner Architekt Heinz Mehlan wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden
An den Stadtvierteln, die in den Nachkriegsjahrzehnten neu entstanden, scheiden sich die Geister. Den einen erscheinen sie zu weiträumig bebaut, die Häuser nüchtern und lieblos hochgezogen. Vielen jedoch wurden sie eine Heimat, in der es sich komfortabel leben lässt. Besonders Junge, darunter Neuberliner, die froh sind, der Beschaulichkeit Thüringens oder Schwabens entkommen zu sein, schätzen ihre strenge, technisch bestimmte Gestaltung und entdecken in ihnen großzügige Urbanität, speziell in zentrumsnahen Bereichen im Osten.
Zu den Architekten, deren Wirken das Gesicht der Hauptstadt der DDR maßgeblich mitgestaltete, gehörte Heinz Mehlan. Der am 4. Dezember 1926 in Berlin geborene Sohn eines Schuhmachers absolvierte nach einem Maurerpraktikum ein Studium an der Berliner Baugewerkschule, das er 1951 als Hochbauingenieur abschloss. Neben der Arbeit in den städtischen, später volkseigenen Projektierungsbüros setzte er seine Ausbildung mit einem Architekturstudium an der Technischen Universität in Charlottenburg bei Karl Wilhelm Ochs fort. In der schwer zerstörten Stadt gab es vor allem im Wohnungsbau viel zu tun; Mehlan projektierte zudem mehrere Internate, u.a. in Berlin-Johannisthal, und auch technische Bauten.
Mit seinem schrittweisen Aufstieg zum Hauptabteilungsleiter wurden die Entwurfsaufgaben repräsentativer, wobei sich Mehlan schon früh beim Wiederaufbau historischer Bauten profilierte. So betreute er Wiederherstellung und Umgestaltung der Neuen Wache und war Komplexprojektant für die Straße Unter den Linden. 1957 erarbeitete er, u.a. mit Erwin Kussat, eine Bauaufnahme mit Nutzungsvorschlägen für die Häuser des Fischerkiezes, jenes verwinkelten Altstadtquartiers, das dann aber doch abgerissen wurde. Mitte der sechziger Jahre prägte Mehlan das Erscheinungsbild der Breiten Straße neu – mit der Wiederherstellung des Marstalls und dem Umbau des Ribbeckhauses. Der neue Trakt der Stadtbibliothek, sein wohl bekanntestes Werk, fügt sich mit seinem Ziegeldach respektvoll in die Altbebauung ein. Die Leichtigkeit der eleganten Glasfassade hingegen vermag es, zwischen den historischen Nachbarhäusern zu vermitteln und diese in ihrer Eigenart deutlich werden zu lassen.
Ihrer Frische beraubt ist heute die Front am 220 Meter langen Haus der Elektroindustrie, das Mehlan 1967 mit Emil Leibold und Peter Skujin entwarf und das den Alexanderplatz im Norden abschließt. Wie hier zeigte sich sein Sinn für die städtebauliche Großform an der 1968/69 erfolgten Umsetzung von Hermann Henselmanns Wettbewerbsentwurf für den Leninplatz, heute Platz der Vereinten Nationen. Mit ihrem gestuften Hochhausakzent und weiten Schwüngen leitet die Planung von Straßenräumen in den Landschaftsraum des Friedrichshains über. Seine Erfahrungen beim Einsatz von Wohnungs-Typenserien bei anspruchsvollen städtebaulichen Entwürfen brachte Mehlan später bei Projekten wie dem Wohnkomplex Frankfurter Allee Süd und der Weiterentwicklung des Typs WBS 70 für Elfgeschosser ein.
Seit 1977 Stellvertreter des Berliner Chefarchitekten für historische Bauten, machte er sich mit der Neugestaltung des Ratskellers und einer Studie zur Rekonstruktion der Bürgerhäuser im Nikolaiviertel erneut um die Verankerung altberliner Architektur in der Gegenwart verdient. 1984 schied Mehlan nach einer schweren Herzoperation aus seiner beruflichen Tätigkeit aus. Er starb am 12. September 1987. Heinz Mehlan war ein Architekt, der den Maßstab einer modernen Hauptstadt an seine Arbeit anlegte und dabei dem historischen Berlin verbunden blieb.