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Neue Perspektiven für die Berliner Mitte!

Positionspapier der Hermann-Henselmann-Stiftung [ ► PDF ]
NEU! Erklärung der Hermann-Henselmann-Stiftung zur Stadtdebatte über die Berliner Mitte [ ► PDF ]

Neue Perspektiven für die Berliner Mitte! (Fassung Juli 2015)
Klaus Brake, Thomas Flierl, Katrin Lompscher

Vorbemerkung
Das Nachdenken über die Zukunft der Berliner Mitte hat mit der vom Senat initiierten «Stadtdebatte» einen neuen Bezugspunkt gefunden. Räumlich richtet sie den Fokus auf den öffentlichen Stadtraum zwischen Alexanderplatz und Humboldt-Forum sowie Rathaus- und Karl-Liebknecht-Straße und fixiert auf die Durchführung eines städtebaulichen Wettbewerbes. Sowohl die Gebietsbegrenzung als auch das vorweggenommene Ziel eines explizit städtebaulichen Wettbewerbes stellen Beschränkungen dar, die nach Auffassung der Hermann-Henselmann-Stiftung unbedingt zu überwinden sind, wenn die Stadtdebatte sinnvoll ausgerichtet werden soll.

Gebietskulisse
Gebietskulisse. Im Beschluss des Abgeordnetenhauses vom 14. Mai 2009 (Drucksache 16/2110 und 16/2356) wird der Raum zwischen Alexanderplatz und Humboldt-Forum als «grüngeprägter öffentlicher Stadtraum» bestimmt. Alle angedachten künftigen Nutzungen in diesem Bereich müssen auch daraufhin abgestimmt werden, was in den umgebenden Innenstadtgebieten bereits geschieht, insbesondere in den Aktivitätszentren Alexanderplatz (Einzelhandel), Rathaus/Stadthaus (Politik/Öffentlichkeit), Spreeinsel (Kultur), Hackescher Markt (Dienstleistungen) mit zum Teil auch intensiver touristischer Nutzung. Diese Zentren unterliegen den allgemeinen marktwirtschaftlichen «Boden-Nutzungs-Spielregeln» und ihrer Eigenlogik, die auch in den jetzt zur Diskussion anstehenden Stadtraum hinein wirken. Diese müssen beachtet, notfalls sogar modifiziert werden, wenn sie tragende Nutzungen dieses öffentlichen Stadtraumes zu beeinträchtigen drohen. Insofern muss für diese «innere Mitte» als Fokus der Stadtdebatte auch ein umgebender Referenzraum mitbetrachtet werden.

Wettbewerbsdimension
Bei der Stadtdebatte geht es um die Entwicklung der «inneren Mitte» in den kommenden Jahrzehnten und länger. Es geht darum, welche Rolle die Mitte einer großen Stadt wie Berlin für das Leben in ihr und für den Umgang mit ihr haben soll. Das bezieht sich auf die Anforderungen der zukünftigen Bewohner, Besucher und Nutzer dieser Stadt an diese Mitte und die in ihr realisierbaren stadträumlichen Aktions- und Identifikationsmuster. Bedacht werden muss dieses unter den sich durchsetzenden Bedingungen weiterer Flexibilisierung und Deregulierung im Alltags- und Berufsleben. Sie werden die Stadtgesellschaft der Zukunft prägen. Dies begründet die verstärkte Rückbesinnung auf die Stadt und ihre Mitte als Ort unmittelbarer Öffentlichkeit und Begegnung angesichts medialer Entgrenzungen im Alltag. Insofern müssen alle Wettbewerbsbeiträge für die zukünftige Perspektive und Gestaltung dieses Stadtraums auch eine erkennbare und belastbare stadt- und kultursoziologische Dimension haben (interdisziplinäre Teamverpflichtung).

Stadtdebatte
Ein neuer Anlauf. Die Stadtdebatte zur Berliner Mitte soll in einen Beschlussvorschlag an die Berliner Politik münden. Die Hermann-Henselmann-Stiftung beteiligt sich an dieser Debatte. Dabei sind wir der städtebaulichen Nachkriegsmoderne in besonderem Maße verpflichtet. Mit dieser erneuten Wortmeldung folgen wir den „Spielregeln“ der Stadtdebatte und befassen uns zunächst mit Rahmenbedingungen und Leitlinien des Dialogs sowie mit Nutzungsansprüchen an die Mitte. Im Lichte der Halbzeitbilanz der Stadtdebatte werden wir dann unsere Vorstellungen für den Ort weiter präzisieren.
Kritik am Dialogverfahren. Die räumliche Beschränkung des Verfahrens auf den Stadtraum zwischen Alexanderplatz und Spree ist ein strategischer Grundfehler, weil damit bestehende Unzulänglichkeiten verschärft, fortgeschrieben und verfestigt werden. Der Raum ist keine Insel und kann nicht isoliert betrachtet werden. Der «grüngeprägte öffentliche Stadtraum» ist als Teilraum der Gesamtstadt
– eine Klammer zwischen Alexanderplatz und Spreeinsel;
– ein Teilbereich der historischen Altstadt, die durch den ehemaligen Festungsgürtel markiert wird;
– ein Kernraum der alten Berliner Mitte auch im Verhältnis zur City-West;
– ein Zukunftsraum einer wachsenden europäischen Metropole des 21. Jahrhunderts und ihrer Gesellschaft.
Beschworen wird die «Ergebnisoffenheit» des Verfahrens. Um jedoch nicht den Forderungen von Online-Mehrheiten ausgesetzt zu sein, beispielsweise den Fernsehturm oder das Rote Rathaus abzureißen, muss die Berliner Politik ebenso richtungsweisende wie auch realistische Rahmenbedingungen für eine ergebnisorientierte Debatte formulieren: Was ist aus Sicht der Stadt als ganzer unverzichtbar und erhaltenswert, was sollte verändert werden? Was kann und will die Stadt selbst an eigenen kommunalen Nutzungen und Ressourcen einbringen? In welchen Zeiträumen sind angesichts vielfältiger anderer Handlungsnotwendigkeiten Interventionen möglich? Welche Priorität hat das Vorhaben in der gesamten Stadtpolitik? Welche zeitlichen Meilensteine gilt es zu erreichen, warum und wie? Solange dies unklar bleibt, droht der Bürgerdialog zum folgenlosen Austausch divergierender Positionen zu werden.

Die Situation der Berliner Mitte
Die Berliner Mitte im Stadtgefüge. Die Berliner Mitte ist mehr als der zur Debatte gestellte Stadtraum. Schon ihr Gründungskern reicht mit der alten Doppelstadt Berlin-Cölln darüber hinaus. Weiterhin hat sich bis ins beginnende 20. Jahrhundert die Berliner City mit der Friedrichstraße und der Leipziger Straße vom Alexanderplatz bis zum Potsdamer Platz entwickelt. Museumsinsel und Lindenforum geben als Zentren von Kultur und Wissenschaft der Berliner Mitte eine wesentliche geistige Prägung. Seit der Großstadtwerdung hat «Mitte» zugleich bestimmte Funktionen in der durch Eingemeindung entstandenen Struktur Groß-Berlins. Erst in diesem komplexen Stadtgefüge entfaltet die Berliner Mitte ihre eigene unverwechselbare Funktion und Gestalt. «Mitte» ist somit sehr Unterschiedliches. Wie für jede Stadt europäischen Typs ist aber auch für Berlin die Mitte ein Ort besonderer Aussagekraft über das Gemeinwesen, den Charakter und die Entwicklungsrichtung der Stadt. Die Mitte ist das Gebiet besonders verdichteter und vielfach geschichteter Entwicklungen der Stadt. Sie ist ein Durchgangs-, Kreuzungs- und Zielort zentraler Bewegungsachsen durch die Stadt(-Landschaft). Die Berliner Mitte ist der – auf jeden Fall geografisch, potenziell auch mental – zentrale Ort unseres Gemeinwesens:
– der topografisch markanteste Ort – an den Querungen der Spreeinsel;
– der Gründungsort von Berlin-Cölln und Bezugspunkt der historischen Polaritäten (Berlin-Charlottenburg, Ost-West) sowie der Polyzentralität Berlins (Stadtteile/Bezirke);
– die aktuelle Verbindung zwischen der City Ost und der City West in dem sich herausbildenden Cityband zwischen Zoo und Alexanderplatz
– der grüngeprägte öffentliche Stadtraum zwischen Alexanderplatz und Spreeinsel.

Merkmale der inneren Mitte Berlins
Besonderheiten. Die Berliner Mitte wird nicht als der zentrale Ort des Gemeinwesens Berlin wahrgenommen. Dessen institutionelle wie auch bauliche Fixpunkte jedoch, die Marienkirche und das Rote Rathaus, stehen genau hier, in der «inneren Mitte». Ebenso markiert der Fernsehturm als das in der ganzen Stadt allgemein anerkannte und identifizierende Stadtzeichen Berlins schlechthin auch von weither die «Mitte».
Der Umbau der teils bürgerlichen, teils herrschaftlichen Stadt zur Residenz, später zur Reichs-und Wirtschaftsmetropole (Citybildung) und nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen Zerstörungen und der Teilung der Stadt dann zum Ostberliner Zentrum, hat tiefgreifende Veränderungen der funktionalen und stadträumlichen Strukturen mit sich gebracht. Berlin hat die Erinnerungen an die tiefen historischen Brüche der Stadtgeschichte überall vernachlässigt, hier jedoch besonders. Speziell die Berliner Mitte bietet zu wenige Möglichkeiten, die historische Entwicklung der Stadt nachzuvollziehen und Anknüpfungspunkte für die Zukunft zu suchen. Mit der Marienkirche, dem Berliner Rathaus und dem Fernsehturm sowie dem neu errichteten Berliner Schloss ist zwar ein großer historischer Bogen gespannt, viele der Spuren der Geschichte des Areals sind aber noch nicht erschlossen und öffentlich präsent.
Als Ergebnis der widerspruchsvollen geschichtlichen Entwicklung existieren in diesem Raum heute überwiegend öffentliche Eigentumsverhältnisse. Deren Entstehung infolge der NS-Herrschaft (Enteignung jüdischen Eigentums) sowie der Kriegszerstörungen sind keine auf diesen Ort bezogene Besonderheit, sondern waren «Normalfall» in einem verbrecherischen System. Auch in der Nachkriegszeit war der staatliche Zugriff auf zentrale Orte in Berlin weit verbreitet: in Ostberlin durch das Aufbau-Gesetz, in Westberlin durch Grundstückszusammenlegungen über Bebauungspläne, wie beispielsweise beim Kulturforum und im Hansaviertel. Die Eigentumsgeschichte der Berliner Mitte ist Teil ihrer Geschichte. In ihrer Komplexität kann sie eher im öffentlichen Raum als auf wiederbebauten privatisierten Grundstücken vermittelt werden.
Die Berliner Mitte weist gegenüber anderen Metropolen die zusätzliche Besonderheit auf, dass sie zudem ein ausgeprägter Wohnort ist. Um diesen Vorteil weiterzuentwickeln, sind der hohe Wohnanteil, die vorhandene soziale Mischung und die Alltagstauglichkeit der Wohnbereiche zu erhalten und zu verbessern; auch ist die notwendige wohnungsnahe Infrastruktur in die Überlegungen zukünftiger Nutzungen einzubeziehen und die weitere Entwicklung des Tourismus auf die Vereinbarkeit mit dem Wohnort abzustimmen.

Mängel und Potenziale. Die «innere Mitte» leidet – zusätzlich zu jahrelanger Vernachlässigung, ständigen Baustellen und der ideellen Entwertung des Freiraums – darunter, eher Transitraum zu sein und als solcher nur noch sehr geringe eigene Attraktivität zu entfalten, um auch eigenständiger Ziel- und Aufenthaltsort mit thematischen Angeboten und Aufenthaltsqualität zu sein. Zusätzlich ist dieser Raum schlecht zugänglich, Verkehrsschneisen und Großbauten verhindern die Vernetzung mit den umliegenden Quartieren.

Zugleich stellt die «innere Mitte» einen Stadtraum dar, der anstelle einer undifferenzierten Dichte eine eigentümliche räumliche Dimension bietet, die bei intelligenter Neuaneignung im Vergleich zu anderen Stadtzentren interessante Nutzungs- und Gestaltungsansätze erschließen kann:
– als der zentrale öffentliche Raum der Stadtgesellschaft ganz Berlins, der mit dem existierenden hohen Wohnanteil eine alternative Cityentwicklung ermöglicht;
– mit einer einmaligen stadträumlichen Struktur mit sichtbaren historischen Ikonen (Marienkirche, Rotes Rathaus, Fernsehturm und nun auch das Berliner Schloss), die durch weitere stadthistorische Markierungen angereichert werden sollten;
– mit Ansätzen dazu, insbesondere auch die Spuren der Entwicklungsbrüche, die Berlin zahlreich bewältigen musste, zu zeigen (Gründerzeit, Großstadtwerdung; NS-Zeit, Enteignungen, Zweiter Weltkrieg, Zerstörung; Wiederaufbau als DDR-Hauptstadt).

Bedeutung der Berliner Mitte
Mit Blick auf die Berliner Stadt(raum-)Struktur lassen sich für die «innere Mitte» als dem zentralen öffentlichen Raum der Stadt folgende Bedeutungen diskutieren:
Begegnungsraum für das Gemeinwesen Berlin zum Treffen, Artikulieren, Informieren, Feiern, Protestieren und Erleben, insbesondere als Versammlungsraum für Stadtgesellschaft und -politik («wo Berlin zu sich selbst kommt», als Treffpunkt für Initiativen und Veranstaltungen) und als Vergewisserungsraum: «Was (speziell) ist (unser) Berlin?» (Identität), «Woher kommt Berlin?» (Geschichte), «Wohin will Berlin?» (Zukunft).
Verbindungsraum im City-Band zwischen dem (industriegeschichtlich/sozialistisch geprägten) Osten und dem (herrschaftlich/bürgerlich geprägten) Westen der Stadt, das sich seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhundert herausbildete und mit der Ostberliner Stadtplanung seine räumliche (jedoch nicht ausreichende funktionelle) Fortführung fand.
Erholungs- und Verweilraum der Anwohner, Anlieger und Besucher sowie touristischer Zielort mit aufbereitetem und erlebbarem historischen Informationsangebot.

Leitlinien für den Diskurs über die Berliner Mitte

Neue Sinnstiftung. Eine neue Sinnstiftung für die Berliner Mitte ist unverzichtbar: Sie muss nun auf Gesamtberlin bezogen sein und die neuen Urbanitätsbedürfnisse der Stadtgesellschaft reflektieren. Die Aneignung des Areals der «inneren Mitte» als der zentrale Zukunftsraum für die Stadt steht noch aus. Das kann er nur sein, wenn er auch als Ort der Erinnerung an die Stadtgeschichte gestärkt wird – mit dem Blick auf die Zukunft.
Charakter. Die «innere Mitte» soll in erster Linie ein Ort des Gemeinwesens Berlin sein. Im Zusammenwirken von Begegnungs-, Verbindungs- und Erholungsraum soll sie als Treffpunkt für die Stadt-Benutzer (Bürger/Besucher) und qualifizierter Aufenthaltsraum dienen.
Am Ort des Gemeinwesens Berlin soll eine kommunikative Selbstvergewisserung der Stadtbürger ermöglicht werden. Dazu muss hier zunächst die historische Entwicklung des Bereichs erkennbar und begreifbar sein. Dafür empfehlen sich eine Präsentation stadthistorischer Sachverhalte als Spuren («Intarsien», archäologische Fenster, Denkorte), Informationsangebote, möglicherweise sogar ein «Museum des Ortes». Für bestehende Baulichkeiten gilt Bestandschutz, insbesondere auch für die historischen Spuren unter der Oberfläche.
Am Ort des Gemeinwesens Berlin muss darüber hinaus eine Verständigung über die aktuellen Herausforderungen und zukünftigen Entwicklungen der Stadt möglich sein. Dafür bietet sich ein permanentes bürgerschaftliches «Stadtforum» an – im spannungsvollen Gegenüber zum Ort der Exekutive, dem Berliner Rathaus als dem Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters. Um als Stadtforum arbeitsfähig zu sein, braucht es Arbeits- und Versammlungsräume sowie zentrale Informationsmöglichkeiten über die Stadt (Materialien/Stadtmodelle etc.), unterstützt durch direkte Zugriffe auf die Angebote der Zentral- und Landesbibliothek, des Stadt-Museums, der «Berlin»-Abteilung im Humboldt-Forum, der Senatsverwaltungen und so weiter. Wir schlagen vor, für eine räumliche Fassung des Rathausplatzes gegenüber dem Rathaus in Richtung Karl-Liebknecht-Straße einen «Berlin-Pavillon» vorzusehen, der alle diese Funktionen vereint. Zugleich erhielte auf diese Weise auch der Platz mit dem Luther-Denkmal eine räumliche Fassung.
Widmung. Die innere Mitte Berlins ist der zentrale öffentliche Raum der Stadt. Er braucht starke städtische Institutionen. Insbesondere das Berliner Rathaus muss stärker für die Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar sein. Nachdem die Zentral- und Landesbibliothek nicht mehr im Humboldt-Forum vertreten sein wird, sollte geprüft werden, ob die notwendige Weiterentwicklung dieses größten kommunalen Wissensspeichers Deutschlands nicht doch mit dem zentralen öffentlichen Stadtraum verbunden werden sollte. Das Berliner Gemeinwesen hat bisher keinen Ort für sich und andere! An welchem Ort kann sich Berlin als Stadtgesellschaft mit sich identifizieren, sich bekennen und hinterfragen, das heißt erkennen, woher wir kommen, wo wir stehen und wohin wir wollen?

Die Mitte als Ort der Bürger

Wir plädieren für die Mitte als einen Ort aller Bürgerinnen und Bürger der Stadt und ihrer Besucher/innen:
– als Ort zur gemeinsamen Aneignung und Entwicklung der seit 1990 vereinten und sich in den letzten Jahren dynamisch wandelnden Stadt;
– als Ort, wo Berlin bei sich selbst ist, nicht allein und gegen andere, sondern im Dialog mit der Welt gleich nebenan (Humboldt-Forum) und mit allen, die an der Entwicklung Berlins Anteil nehmen (Rathausplatz/Stadtforum);
– als Ort der öffentlichen Verhandlung über die Zukunft der Stadt: nach vorn offen und verankert in der eigenen Geschichte statt im Bild einer erträumten heilen Vergangenheit.
Deshalb: die innere Mitte weiterentwickeln, nicht zurück- und zubauen!
Der zentrale öffentliche Raum der Stadt basiert auf überwiegend öffentlichem Bodeneigentum und soll frei bleiben von weiterer Konzentration von Einzelhandel wie am Alexanderplatz, von Büroflächen wie in der Friedrichstadt und von teurer Wohn-Quartiersbebauung wie sie ringsherum in Mitte bereits entsteht.
Gestaltungskriterien
Maßgeblich sind die Anforderungen an die Berliner Mitte: Die «innere Mitte» ist als ein öffentlicher Raum zu entwickeln. Für seine Stabilisierung sind in diesem Areal der Berliner Mitte jegliche private Bodennutzungen ungeeignet und daher auszuschließen. Als Leitlinien einer angemessenen Gestaltung der «inneren Mitte» betrachten wir:
– die Wahrung der stadtbildprägenden wertvollen Sichtachse zwischen Fernsehturm und Humboldt-Forum als dem Rückgrat des Zentrumsbandes sowie der Sichtachsen von der Liebknechtbrücke zu Rathaus, Fernsehturm und Marienkirche sowie von der Rathausbrücke zum Alexanderplatz;
– die bessere Vernetzung mit der Umgebung als ein barrierearmer/kontinuierlicher fußläufiger Bewegungs- und Erfahrungsraum der ganzen Berliner Mitte. Dazu zählen: 1) die Wiederherstellung der Durchquerbarkeit der raumbildenden Wohnscheiben an der Karl-Liebknecht-Straße und der Rathausstraße; 2) eine fußgängerfreundliche Passierbarkeit der inneren Achse von und zur Spree, die als «der» Berliner Fluss räumlich in die «innere Mitte» hineinwirken muss; 3) die Verringerung der Verkehrsbedeutung und Barrierewirkung der Karl-Liebknecht-Straße, der Spandauer Straße und der Grunerstraße. Eine übergeordnete Verkehrsplanung mit dem Ziel der Verkehrsentlastung bzw. Fußgängerfreundlichkeit dieser Verkehrsstraßen ist eine substanzielle Voraussetzung für die Stadtdebatte.
– die Schaffung eines Ortes für zivilgesellschaftliche Verständigung, z. B. durch die Einrichtung eines permanenten StadtForums in einem «BerlinPavillon» gegenüber dem Rathaus;
– die Verbesserung der Aufenthaltsqualität und Schaffung von Angeboten zur Rekreation für Besucher und Anwohner und deren Versorgung.

Die «innere Mitte» als Stadtraum
Der Stadtinnenraum gliedert sich unter räumlich-funktionalen Aspekten in drei Bereiche:
– «Unterm Fernsehturm» – eine Alex-Lounge zur Naherholung,
– «Rathausplatz» mit StadtForum/BerlinPavillon gegenüber dem Rathaus,
– «Park an der Spree»: die Welt verstehen zwischen Humboldt-Forum und Marx-Engels-Denkmal mit attraktiver Uferzone und Stadtbühne/Festraum im Grünen.
Zur charakteristischen städtebaulichen Eigenart der inneren Mitte zählen die raumprägenden Ränder an der Karl-Liebknecht- und Rathausstraße, das Ensemble aus Peter-Behrens-Bauten, Bahnhof und Hotel am Alexanderplatz sowie das neuerrichtete Humboldt-Forum. In den Raum wirken die zu Stadtzeichen gewordenen Solitäre der Marienkirche, des Rathauses, des Doms und des Fernsehturms. Der Neptunbrunnen markiert den räumlichen und ideellen Mittelpunkt der «inneren Mitte», er fokussiert die Kugel des Fernsehturms in den Stadtraum. An keinem anderen Ort hat der «Begas-Brunnen» solche bürgerschaftliche Nähe entwickeln können wie am heutigen. Falls sich der Gedanke durchsetzen sollte, den Brunnen wieder auf den neu entstandenen, aber stark verkehrsbelasteten Schlossplatz zu setzen, brauchte es am bisherigen Ort ein Ersatzobjekt.